Lieber Heimatminister Seehofer – der Fachkräftemangel wird bis 2031 auf über 4 Millionen Menschen steigen

Selbst in Ihrem schönen Bayern werden die Menschen älter, die Straßen maroder, die Kanalisation brüchiger und auch die ganzen Kreuze in den Schulen wollen angebracht und abgestaubt werden. Nur wer macht demnächst diese Arbeiten wenn der Fachkräftemangel noch zunimmt. Vielleicht träumen Sie ja schon von blau weißen kleinen Robotern, die frei vom Mindestlohn all diese Arbeiten erledigen. Vielleicht träumen Sie aber auch von einem exorbitanten Anstieg der Geburtenrate bei Paaren jenseits der fünfziger, um die Lücke zu stopfen. Nur werden diese Träume unsere dringlichsten Probleme nicht beseitigen.

Lieber Heimatminister Seehofer – der Fachkräftemangel schadet Fachkräftemangelunserer Wirtschaft enorm und dabei ist das erst der Anfang

Schon heute beträgt der Schaden der durch den Fachkräftemangel für die Wirtschaft entsteht (und damit auch für den Staat) mehr als 30 Milliarden jährlich. 30 Milliarden Euro an Wirtschaftskraft, die aufgrund fehlender Fachkräfte bereits nicht geschöpft werden können. Der Steuerschaden allein aufgrund der fehlenden MwSt. liegt bei knapp 6 Milliarden Euro. Aber auch die Sozialkassen würden sich über weitere Milliardeneinnahmen sicherlich freuen. Wie viele Toiletten an den Schulen könnten sie mit diesem Geld renovieren? Es blieben trotzdem garantiert auch noch ein paar Milliarden für die Bildung über.

Lieber Heimatminister Seehofer – schon heute kann aufgrund des Fachkräftemangels jede zweite Stelle nur noch mit Schwierigkeiten besetzt werden.

Aber Sie wissen sicherlich längst, dass bereits jede fünfte Stelle in kleinen und mittleren Betrieben dauerhaft nicht mehr besetzt werden kann. Die Arbeitsagenturen streichen diese Stellen einfach nach 6 Monaten. Nur wer wird in 3 oder 5 Jahren Ihre Semmel backen oder in 15 Jahren dafür sorgen, dass Sie mit Ihrer Ministerrente auch ausreichend gepflegt werden. Denn wenn die Pflegekräfte fehlen wird Ihnen selbst die dicke Pension kaum helfen, motiviertes und engagiertes Pflegepersonal zu finden.

Lieber Heimatminister Seehofer – selbst bei 200.000 Zuwanderern jährlich würde die Fachkräftelücke auf über 3 Millionen ansteigen.

Im guten Bayern sind die besten Rechner – so zumindest nach der Pisa Studie. Dann wird es doch für Sie ein einfaches sein auszurechnen, welcher Schaden der deutschen Wirtschaft entsteht, wenn die Fachkräftelücke auf über 3 Millionen Menschen ansteigen wird. Dreisatz – Sie erinnern sich? Mal angenommen der Schaden würde tatsächlich auf über 90 Milliarden Euro ansteigen, das entspräche dann dem aktuellen BIP der Slowakei – immerhin auf Platz 65 im weltweiten Ranking.  Übrigens die Zahl 3 Millionen stammt nicht von mir, sondern vom renommierten Prognos Institut aus der Schweiz. Ja selbst die Schweizer können rechnen.

Lieber Heimatminister Seehofer – Sie gelten als starker Mann – als ein Macher als ein Mann der klaren Worte und ein Mann mit Visionen.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Sie als Politiker vorangehen. Eine klare Strategie haben, wie wir alle in 10 oder 15 Jahren leben und arbeiten wollen und sollen. Wer dann in unseren Fabriken, Kliniken und Pflegeheimen arbeitet. Schon heute beträgt die Anzahl demenzerkrankter Menschen in Deutschland rund 1,6 Millionen. Jeden Tag kommen 900 Fälle hinzu im Jahr rund 300.000 mit steigender Tendenz. 2030 werden dann wahrscheinlich auf jedes Grundschulkind ein an einer Form der Demenz erkrankter Mensch kommen. Vielleicht sollten Sie die ewig-gestrigen einmal mit diesen Zahlen konfrontieren!

Lieber Heimatminister Seehofer tragen Sie bitte mit Ihrer Politik dazu bei, dass wir auch in naher Zukunft noch eine lebenswerte Heimat haben.

Hunderttausende von Handwerkern, Unternehmern von kleinen und mittelständischen Betrieben in ganz Deutschland, die Staatskassen die Träger der Sozialversicherungen, Millionen pflegebedürftiger Menschen und der kleine Rest arbeitender Bevölkerung, die das alles finanzieren, werden Ihnen Dankbar sein.  Dankbar dafür, dass Sie mit Ihrer Politik ein Zeichen gegen den setzte. Und ganz ehrlich, mir ist es herzlich egal, ob mein Brötchen (bayrisch Semmel) von einer syrischen Hand gebacken wurde, mein Wasserkran von einem Nordafrikaner repariert wurde, die Straße in der ich lebe von Menschen aus Osteuropa repariert wird oder meine Pflegerin oder Pfleger aus Sri Lanka kommt. Mir wäre nur wohler zumute, wenn ich wüsste, dass diese Menschen auch das Gefühl haben, in Ihrer neuen Heimat zu arbeiten und den entsprechenden Respekt und die Anerkennung für Ihre Leistungen erfahren. Einfach sich in Deutschland heimisch fühlen.

Vielleicht interssiert Sie ja unsere zwar schon ältere aber immer noch aktuelle Studie, die wir 2007 gemeinsam mit der WestLB ertellen durften. Unter dem folgenden Link können Sie sich ein Exemplar der Studie:

Demografie und Humankapital – ein unterschätztes Risiko für die Wettbwerbsfähigkeit

 

runterladen.

Glück Auf

Ihr Udo Kiel

 

 

 

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